Montag, 13. Juli 2015

Vespa Sitzstellungen - nicht ganz ernst gemeint

Als ungeübter Vespa Long Distance Fahrer habe ich mir die Strecke nach Rom in viele kleine Etappen eingeteilt, wobei die längste bei unter 400 km lag meist aber nur etwa 200 km. Zurück wollte ich einfach mal wissen, wie lange ich es auf meiner Schönen aushalten kann. Ehrlich? Ich habs mir schlimmer vorgestellt. Man hat ja echt eine Menge Möglichkeiten auf der Vespa. 

Aufrecht sitzen, Arme leicht angewinkelt, als ob man einen Stock verschluckt hat. Das ist recht bequem, solange man die 70 kmh nicht überschreitet. Dabei bitte unbedingt den Mund zulassen, falls Ihr keine große Scheibe habt. Kenne ja kaum jemanden, der auf der Vespa einen Integralhelm trägt. 
Ich habe auf der Vespa getrunken, gegessen, gesungen, aus Langeweile die Hupe ausprobiert, wenn ich einen LKW überholt habe und mit dem Handy rumgemacht. Eigentlich habe ich nur zum Tanken angehalten. Das dann aber recht oft. Nachdem ich getrunken habe, kann ja dann die leere Flasche auch zur Wiederbefüllung während der Fahrt, also zur Luftbetankung genutzt werden. Also selbst dafür musste ich nicht mehr anhalten ;-)

Wenn die Rückbank nicht durch Gepäck, wie es bei mir der Fall war, belegt ist, dann ist die Racer-Stellung gar nicht mal so schlecht. Einfach nach hinten auf die Rückbank rutschen und die Beine komplett nach vorne ausstrecken. Gerne auch die Fußraster auf der GTS 300 ausklappen und immer wieder hierher wechseln. Da kommt man sich sehr cool vor. Übrigens erkennen die echten Motorradfahrer dann nicht mehr, dass das ne Vespa ist und fangen in Deutschland an, dich mit Handzeichen zu grüßen. Wenn sie dann merken, dass du ja auf ner Vespa sitzt, schaffen sie es nicht mehr schnell genug den Arm wieder einzuziehen und werden vor Scham ganz rot im Gesicht. Ihr Tag ist dann erst mal restlos versaut. Man kann sich in der Racer-Stellung sehr schön hinter der kurzen Sportscheibe verstecken und der ständige Insektenbeschuß tut auch nicht mehr so sehr im Gesicht weh. Aber das ging ja bei mir leider nicht. Ne Fliege ist extra Nahrung, aber ne Wespe oder Hummel sind dann schon eher Dum-Dum Geschosse. Blutende Lippe nicht ausgeschlossen.

Sehr schön ist ja auch der Damensattel. Beide Füsse rechts, oder beide links. Einfach immer wieder wechseln. Das entspannt die fünf Buchstaben gewaltig. Ständig in Bewegung bleiben. Hilft auch gegen die Müdigkeit! Macht euch nichts draus, das ihr von anderen Verkehrsteilnehmern blöd angestarrt werdet. Auch für Männer geeignet ;-)

Für die nächste Sitzposition müsst ihr aber etwas gelenkiger sein. Im Schneider-, oder Buddha-Sitz verschränkt ihr die Beine auf der Sitzbank. Als Alternative könnt ihr euch auch einfach auf die Füße setzen, wenn ihr die Beine anwinkelt und die Füsse nach hinten auf die Sitzbank legt.

Ebenfalls entspannend, aber meist nur im langsameren Stadtverkehr, kann man im Stehen fahren. Dabei beide Hände am Lenker lassen. 

Um die Verspannungen im Oberkörper nach 8-12 Stunden Fahrt zu bekämpfen, kann man mit dem linken Arm nach Hinten greifen und seine Spanngurte regelmäßig überprüfen oder so tun als suche man mit den Händen irgendetwas. Die Spanngurte, die das Gepäck halten kann man auch als Expander mißbrauchen. Mit dem rechten Arm geht das zwar auch, aber die Vespa wird einfach irre langsam dabei ;-)

Ich hab probiert, mit der linken Hand Gas zu geben um den rechten Arm nach hinten zu strecken. Das ist keine gute Idee. Achtung Kinder! Nicht nach machen!

Wenn Ihr echt lange Arme habt, dann funktioniert auch die Liegestellung. Mit dem Arsch etwas nach vorne rutschen und den Rücken auf Sitzbank und Gepäck legen. Das ist auch nicht schlecht.

Letzter Tipp: Bequeme Hosen. Zu eng ist sehr sehr sehr unbequem mit der Zeit.

Mit diesen Tipps ist diese Strecken dann locker in 19 Stunden zu bewältigen :-)

Anmerkung der Redaktion: Sicherheit im Strassenverkehr geht vor - natürlich alles frei erfunden ;-)


Sonntag, 12. Juli 2015

Couchsurfing rules - what a great idea!

Ich hatte ja in einem der vorherigen Blogeinträge versprochen, meine Couchsurfing Erlebnisse hier nochmal abschliessend zu reflektieren.

Was ist Couchsurfing?

Für die, die jetzt keine Ahnung haben worum es überhaupt geht, eine kurze Darstellung aus meiner persönlichen Sicht. Couchsurfer nehmen als Gast und/oder Gastgeber am weltweiten, nicht kommerziellen Netzwerk teil. Der Sinn dabei ist es, meist neben einer Übernachtungsmöglichkeit für einen kurzen Zeitraum von 1-2 Tagen auch etwas mit den Gästen zu unternehmen. Es geht um den internationalen Austausch und darum andere Menschen aus anderen Kulturen kennenzulernen. Die Unternehmung kann alles Mögliche sein, von einem gemeinsamen Drink, Abendessen, aber auch einer Besichtungstour durch die lokale Gegend oder ein Treffen mit Freunden.

Wie kommen Gast und Gastgeber zusammen?
Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Kenne ich meine Reiseroute und Termine, kann ich einen "Public Trip" einstellen und Gastgeber in der Zielstadt erhalten eine Mail mit meiner Anfage,können sich melden und mir eine Couch oder auch nur ein Treffen anbieten. Ich habe das für meine ersten beiden Stationen Innsbruck und Verona so gemacht. Und für Verona ein und für Innsbruck zwei Angebote erhalten.

Diese Version erlaubt eine Planung und ich weiß etwas vorher schon, ob ich eine Übernachtungsmöglichkeit habe und kann Alternativen einplanen.

Ab Verona hatte ich keine genaue Zielroute mehr und probierte die zweite Variante aus. Morgens beim Cappu habe ich mir mit dem Finger auf der Google Landkarte einen Ort ausgesucht. In diesem Ort kann ich mir dann registrierte Gastgeber (Host) ansehen und gezielt kontaktieren und um eine Couch bitten.

Hierbei möchte ich einige Tipps geben:

- benutzt die Filter

- ein Kontakt innerhalb eurer Altersgruppe ist erfolgsversprechender, ältere Hosts geht auch, aber Studenten haben selten Bock auf einen alten Sack wie mich!

- gleichgeschlechtlich funktioniert besser, falls ihr männlich seid; ein Eintrag eines italienischen Gigolos hatte in Fettbuchstaben und Capitals angemerkt ONLY WOMEN! Das ist dann schon fast eindeutig ;-)

- kontaktieren von Hosts, die in den letzten zwei Wochen oder länger nicht aktiv waren, funktioniert kurzfristig überhaupt nicht

- lest die Profile vorher durch und nehmt persönlichen Bezug auf einen Punkt, der euch interessiert; wenn ihr Kontakt aufnehmt, beschreibt das Besondere an eurer Reise und was ihr vorhabt

- versucht immer mindestens zwei Nächte zu bleiben, sonst wird es sehr stressig! Man sieht auch sonst nicht viel vom jeweiligen Ort.

- besorgt euch eine lokale Sim Karte. Wiederholte Kommunikation ist sehr wichtig. Gut ist es nach Zusage der Couch auch die Anreise nochmal anzukündigen und auch nochmal, wenn die Uhrzeit besser bekannt ist, wann man genau vor der Tür stehen wird.

Ich habe für Modena innerhalb von 10 Minuten eine Couch bekommen, dass ist aber ungewöhnlich.

Was funktioniert eher weniger gut?
Ich kann hier bisher nur erste Eindrücke wiedergeben, da ich noch nicht wirklich eine große Anzahl von Couchen in Anspruch genommen habe.



Mein Eindruck ist, dass es

- in touristischen Hochburgen mit eine Couch schwieriger wird, da Angebot und Nachfrage auseinander klaffen. Ich kann hier nur für meine Altersgruppe 45-55 sprechen. NewYork oder Rom sind hier eher schwierig. Hier steigt auch oft das "Mißbrauchspotential". Couchsurfing sollte nicht primär als "kostenlose" Unterkunft verstanden werden. Ein Gastgeschenk oder eine Einladung des Hosts zu einem Abendessen sollte auf jeden Fall stattfinden. Es gibt hier tatsächlich Gäste, die sich darüber beschweren, dass Sie morgens mit dem Gatgeber das Haus verlassen müssen! Wenn sich sowas häuft, verliere ich natürlich die Lust daran eine Couch anzubieten!!!

- südlicher in Italien nicht so gut funktiniert und das Couch Angebot abnimmt.

- mehr registrierte Hosts im Studentenalter gibt und das Angebot mit zunehmendem Alter abnimmt. Eventuell eine Frage der abnehmenden Flexibilität mit "fremden" Menschen seinen sehr persönlichen Lebensraum zu teilen.

Was fand ich toll?
Ich was ja als Alleinreisender unterwegs. Mit Couchsurfing habe ich sofort Anschluss und bin nicht in einer fremden Region alleine. Für mich war das der wichtigste Punkt beim Couchsurfen. Couchsurfer sind herzensoffene Menschen mit großem Interesse an anderen Menschen und der großen weiten Welt. Ich werden mit allen in Kontakt bleiben und habe eventuell auch den Beginn der einen oder anderen Freundschaft erlebt.

Man kann auch aktuelle Eventsin der jeweiligen Region finden, um andere Couchsurfer zu treffen. Hier hatte ich allerdings in Rom den Eindruck, dass die Grenze zur kommerziellen Nutzung überschritten wurde. Manche nutzen die Events auch einfach nur Regional um anderen Menschen kennenzulernen.

Danke!
An diese Stelle möchte ich mich ausdrücklich bedanken bei Theresa, Thomas, Franco und Claudio für eure besondere Gastfreundschaft. Meine Couch steht euch jederzeit zur Verfügung, auch wenn ich nicht gerade in einer Stadt mit touristischer oder internationaler Bedeutung lebe. Aber ich gebe euch meine Zeit für ein tollen Beisammensein.

Ich werde das auf jeden Fall wieder machen!
Ciao


Mittwoch, 8. Juli 2015

Isola del Giglio - Castello

Ach war das Abkühlen im Meer gut. Ohne Schuhe über die Granitfelsen ins Wasser ist aber hier nicht anzuraten. Meine Teva's geben gerade ihren Geist auf und die Sohle löst sich ab. Die haben eben, so wie ich, schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Ich brauche Kleber. Sowas wie Pattex.


Man gibt mit genauer Anweisungen. Ich soll zum Castello hoch auf den Berg fahren und in der Nähe der Piazza, dort wo der Bus immer wendet, zum "Feramenta" gehen und "Colla" besorgen. Aber nicht irgendeine Marke, sondern "Artiglio". Feramenta ist sozusagen die Tante Emma Laden Version von OBI & Co.


Das habe ich dann genau so gemacht und alles bekommen.

Castello ist ein Minidorf. Direkt an der Piazza beginnt auch das Castello, gleichnamig mit dem Ort selbst. Um die Piazza rum gibt es einige kleine Geschäfte und einige kleine Restaurants. Im Castello selbst befindet sich aber die eigentliche Stadt, naja eher Dorf, mit super engen Gässchen. Auch hier sind das eine oder andere Geschäft oder auch Restaurant zu finden. Treffpunkt für wenige Touristen und Stadtbewohner ist aber am Ausgang des Castello die erwähnte Piazza. 



Mir ist sehr heiß, und ich setze mich mit HER (siehe letzten Blogeintrag) auf eine lange Natursteinbank, die an der Castellomauer aus dem Stein geschlagen wurde. Der schattigste Platz hier. Ein alter Mann sitzt bereits da und ich setze mich dazu mit einem Buona Sera, denn es ist bereits etwa sechs Uhr. Er beginnt ein Gespräch und da wir uns auf Italienisch beschränken müssen, unterhalten wir uns eben über einfache Themen, wie meinen Herkunftsort, meine bisherigen Reisestationen und die hohen Temperaturen, die wir aktuell auch zuhause haben. Und dann beginnt er laut zu singen. Einfach so. O sole mio und danach eine weitere bekannte Arie aus einer Oper. Nach und nach kommen weitere Bewohner hinzu und hören zu.

Psssst. Einfach mal Augen zu für einen Moment und zuhören.

Angekommen. Genau so fühle ich mich jetzt. Ich könnte hier ewig sitzen. Verschiedene Bewohner kommen und gehen, begrüßen sich und gehen nach einer Weile weiter. So auch mein Gesprächspartner. Die Insel hat ca. 600 Einwohner und im Winter ist hier so gut wie nix los.

Bevor ich gehe meldet sich HER bei mir mit einer guten Nachricht. In Castello habe ich brauchbaren 3G Empfang. Also werde ich demnächst hier öfter auf der Bank sitzen.

Es ist inzwischen acht Uhr und mein Zelt hat sich leider nicht von selbst aufgebaut.
Ich konnte einen Platz auf einer oberen Terrasse im Schatten, oder direkt am Meer in der Sonne wählen. Wenn ich im Zelt schlafe, scheint keine Sonne. Also ans Meer.


Was für ein Tag. Heute Abend esse ich gemeinsam mit dem kleinen Vampir und seinen Freunden im Ristorante des Zeltplatzes. Den Rest der Nacht pflege ich meine gefühlten zehntausend Bisswunden.

Buona notte.

Dienstag, 7. Juli 2015

Isola del Giglio

Heute Nacht (also Sonntag) habe ich mich nun kurzfristig entschlossen nach isola del Giglio zu fahren. Das heißt ungefähr dreieinhalb Stunden fahrt mit der Vespa nach Porto Santo Stefano, dann auf die Fähre für eine knappe Stunde.


Während ich auf die Fähre warte und gerade mein iPhone aus der Navihalterung rausnehmen will, da meldet sich das Phone mit einer fetten Nachricht auf dem Display bei mir. "Mir ist gerade ziemlich heiß. Bitte kühle mich!". Du sprichst mir aus der Seele, so gehts mir auch. Lass uns schwimmen gehen ;-)



Ich finde das in Anlehnung an den Film "HER" sehr rührend aber auch etwas erschreckend, dass mein Telefon menschliche Züge entwickelt und anfängt eine Beziehung zu mir aufzubauen. Das hat sie ja sowieso schon getan, aber jetzt wird mir das noch mehr bewusst. In den nächsten Tagen hatte "HER" genug Zeit sich abzukühlen. Kein Netz! Selten für 2-3 Minuten GPRS. Ich wusste gar nicht, dass es noch was schlechteres als Edge gibt ;-) Das kann man dann getrost mal vergessen!
Auch mit Strom was es schwierig. Musste meine Powerbank immer wieder zum Aufladen geben, um HER mit Strom zu versorgen.

Aber das nur eine kleine Geschichte am Rande.



Baia del Sole heißt der einzige Zeltplatz auf der Insel, der genau auf der anderen Seite von Porto liegt. Die Straßen sind ein Vespa Paradies. Der Ausblick ist sagenhaft, aber dazu komme ich wahrscheinlich in einem weiteren Artikel nochmal. So enge Kurven hat es nicht mal im Chianti Land. Wenn da nicht immer diese kriechenden Autos vor einem wären, die mit 30 rumzuckeln. Überholen? Lebensgefährlich auch für Superbikes :-)

Ich werde auf spanisch begrüsst. Spanisch? So lange war die Fahrt doch gar nicht. Falsche Fähre erwischt? Als sie mich erstaunt sehen, wird Englisch hervorgekramt. Die Anlage ist in Terrassen in die bizarre Küstenfelsenlandschaft gebaut. Großflächige Felsenplateaus, die leicht abfallen, bilden den Einstieg ins Meer. Also Felsen sind der neue Strand. Ich werfe meine drei Taschen und meine Klamotten unter einen Olivenbaum auf dem mir zugewiesen Platz, krame meine Teva's raus und gehe mich erstmal im Meer abkühlen.

Roma an einem Sonntag

Dies ist nicht mein erster Besuch in Rom und bestimmt auch nicht mein letzter. Hier hätte ich bzgl. Couchsurfing viel mehr erwartet. Selbst die Events "riechen" hier ein wenig nach Kommerz! Also keine Couch, sondern nur Besuch und nur ein paar Stunden.

Es ist Sonntag morgen und um 9:00 bin ich in Rom. Es sind jetzt schon 33 Grad im Schatten. Das heute Sonntag ist kam mir erst, als ich merkte, das selbst im Zentrum irgendwie fast kein Verkehr ist. Ganz so, als kostet das Benzin 1,80€. Äh. Moment mal. Das Benzin kostet tatsächlich 1,80€!

So macht das aber schon Spaß durch die Strasse zu cruisen. Zu Fuß kam mir das alles sehr weit vor ;-) Erstes Ziel Pope-City.


Ich versuche ja immer wieder in die sixtinische Kapelle zu kommen aber auf stundenlanges Anstellen in der Bullenhitze habe ich wieder keine Lust. Selbst den Petersdom geb ich mir heute nicht von Innen. Man kann das Ende der Schlange nicht sehen und auch noch nicht mal erahnen. Gut drauf sind die trotzdem alle. Die Gruppen singen vor froher Erwartung und beim Weggehen höre ich noch wie wohl ne komplette Bigband einmarschiert.

Noch größer als beim Petersdom ist der Andrang beim Trinkwasser kurz davor. hier könnte ich den ganzen Tag fotografieren.

Später fahre ich am bocca della veritas vorbei und halte an einem Zebrastreifen an, weil eine Gruppe Pfadfinder, oder sowas ähnliches sich den Weg über die Strasse erkämpft. Verdammt, ich bin der Einzige der stehen geblieben ist. Alle anderen Roller und Autos tun so als würden sie die 50 Kids mit Betreuern nicht sehen. In Italien hält man am Zebrastreifen nicht an. Das hat mir doch schon Claudio, mein Couchsurfing Host aus Modena gesagt. Bei mir bedankt man sich mit höflichem Kopfnicken fürs anhalten. waren wohl keine Italiener. Die letzten 5-7 Schlenderer haben wahrscheinlich Sonntagsfußgänger-Gene gefrühstückt. Da konnte ich nicht anders, als ordentlich Gas zu geben und mit der Vespa einen kleinen, aber doch ausreichend beeindruckenden Satz nach vorne zu machen. So hat sich dann das freundliche Nicken ganz schnell in ein Fluchen verwandelt und durchaus einen Geschwindigkeitszuwachs erzeugt. Kleiner Spaß muss sein!

Dann habe ich meinen modernen Streitwagen nochmal kurz vor seiner Arena abgelichtet, damit die Schöne das dann mal Ihren Kindern zeigen kann ;-)


Was in Rom nie fehlen darf, ist ein Eis bei Giolitti.

Und da nimmt man dann noch das Pantheon mit. Ich bin so begeistert von den Lichtspielen, die durch das Loch in der Kuppel entstehen und mache einiges an Fotos.



Nachdem ich mein Pistacchio Eis hatte, geht es nochmal Richtung Piazza Venezia. das Kopfsteinpflaster hier ist nicht nur für eine Vespa echt die Hölle. Da schenke ich mir die Via Appia Antica, meiner Schönen zuliebe.


Ciao Roma.

Sonntag, 5. Juli 2015

Orvieto e Lago di Bracciano

Freitag Abend
Ostküste? Westküste? Bleiben? Tausend Wege führen nach Rom. Also doch Rom. So weit wollte ich doch gar nicht. Und keine Couch. Und die Hitze.
Also das Orakel befragen. Mit dem Finger auf die Googel Landkarte.



Da gibt es einen See! 45 km bis ins Zentrum von Rom. Das könnte klappen.

Orvieto
Aus dem Norden kommend geht es wieder in die Berge. Angenehme Frische auf der Vespa, vor allem in den Passagen, wo es kurvenreich durch den Wald geht. Als es dann wieder langsam bergab geht, sieht man in der diesigen Ferne einen beeindruckenden Felsen mit einer Stadt drauf. Orvieto. Da ich gerade den kühlen Fahrtwind so genossen habe, habe ich auch nicht für ein Foto angehalten. Ist man am Fuß angekommen, geht es vier Kilometer hoch in die città.



Mit der Vespa hat man Heimvorteil. Ich kam bis 100 Meter vor den Dom und hab die Schöne einfach irgendwo reingezwängt. Natürlich hatte ich eine schicke lange Hose an, tolle Schuhe und ein strahlendweisses Hemd. Mit der coolen Sonnenbrille wurde ich dann ganz zum Italiener. Äusserlich, innerlich, und an sprachlich arbeite ich noch. Anerkennende Blicke der Touristen gehen mir wie Honig runter. Als Tourist will ich nicht wirklich wahrgenommen werden. Maximal als Besucher. Aber als Italiener ist natürlich am besten. Und un cafè kann ich bereits jetzt perfetto bestellen, und kriege dann auch einen Espresso, ohne dass nochmal nachgefragt wird, ob ich jetzt nen Cafe Americano meine. Sono felice!



Lago di Bracciano
Von Orvieto über die Landstrasse noch etwas mehr als eine Stunde und ab in den See. Das Zelt baue ich erst nach der Abkühlung auf. Das Wasser ist angenehm kühl. Die Entscheidung, absolut auf Autobahnen zu verzichten, kostet zwar fast immer die doppelte Zeit, wird aber durch viele Kurven und die diversen City Races und die Landschaft belohnt.



Der Lago kam durch Vulkanausbrüche zustande. Hier bleibe ich mindestens für zwei Tage und morgen geht es nach Rom!


Diesmal dürfen nur kleine Zelte auf die Pole-Position.

Prossimo "trip" e Roma.

Campeggio


Donnerstag früh.
Ich muss bis 10:00 aus meinem B&B raus. Dazu brauche ich nach dem gestrigen Abend viel Mokka. Ein weiterer Gast vom gestrigen Gelage bei Dario sitzt ebenfalls über seinem Mokka, sieht kurz auf, erkennt mich und lädt mich ein, mich mit an seinen Tisch zu setzen. Ihm geht es noch wesentlich schlechter als mir. Aber wir beide wissen, dass es das wert war :-)
Gesprochen haben wir nicht mehr viel. Wir einigen uns darauf im nächsten Jahr wiederzukommen. seine beiden Kumpels tauchen auf und "transportieren" ihn ab.
Es wird jeden Tag heißer und bei 37-40 Grad verliere ich gerade die Lust auf weitere italienische Städte, in denen die Luft steht und die Touristen schwitzen. Also Goggle Maps - aktuelle Position wählen und nach Wasser suchen. Meer oder See? Da ich sowieso weiter Richtung Süden will - See! ausserdem war ich da noch nie.

Lago Trasimeno
In Google Maps den Weiter ran zoomen und nach Zeltplätzen Ausschau halten. Listo bei Castiglione del Largo. Kurz noch ein E-Mail geschrieben und angefragt, ob was für zwei Nächte frei ist. Die Bestätigung kam dann auf der Fahrt.


Etwas vorweg greifend kann ich schon mal sagen, dass man in den ersten beiden Juliwochen zumindest an Italiens Seen nichts reservieren muss. Freie Platzwahl.
Ich hätte direkt mein Zelt am See aufbauen können. Also direkt heißt, die Füsse aus dem Zelt ins Wasser halten :-)
Zwei Tage Entspannung und Abkühlung. Um rauszufinden, wohin es als nächstes geht, habe ich 3-4 Couchsurfing Host in verschiedenen Städten angeschrieben, aber diesmal ohne Erfolg. Das Angebot wird gen Süden geringer.

Auf meinem Zeltplatz treffe ich zwei Urlaubergruppierungen, die sich sehr deutlich voneinander unterscheiden und auch nicht wirklich ins Gespräch kommen. da gibt es die Zeltianer und die Camper. Ja die Camper. Ihr Reservierungshandtuch ist der Wohnwagen. Mein Platz! Erste Reihe am See. Exklusivaussicht! Und damit die auch nicht von anderen gestört wird werden Zäune rechts und links vom Wohnwagen in Richtung Wasser errichtet. Ich bin dann mal an der "Promenade" entlang gelaufen und bin über die gespannten Schnüre gestiegen. Wenn Blicke töten könnten. Ich erspare es mit hier auch noch das Herkunftsland bekannt zu geben. Es hätte Holland sein können, war es aber nicht. Hier ist das Wertegefüge sehr verschieden von den Zeltianern. Man geht sich einfach aus dem Weg.
Die Italiener haben ihrer Camper etwas weiter im Landesinneren aufgestellt.


Die Zeltianer waren das schon sehr viel interessanter. Ein Pärchen aus Prag auf ihren beiden Harleys wenig jünger als ich, schätze ich. Die beiden haben auch immer nur ein oder zwei Tage weiter geplant. Oder ein anderes Pärchen, ebenfalls mit CZ Kennzeichen an ihrem Smart. Die hatten das alles drin was notwendig war. Wer sich das jetzt nicht so vorstellen kann, bitte mal die Heckklappe eines Smart öffnen und einen Kasten Bier oder die Einkaufstasche reinpacken ;-)

Meinen absoluten Respekt hat sich dann aber die Radlergruppe aus Darmstadt verdient. Die sind seit mehreren Wochen unterwegs und nun auf dem Rückweg, der in Sizilien startete.